90. Jahrgang Heft 6 (Dezember) 2007
Inhalt
Artikel
Wie allgemein ist die »General Theory of Crime«?
von Manfred Bornewasser, Stefanie Eifler und Kristina Reichel
Zusammenfassung
Die Studie beschäftigt sich mit der »General Theory of Crime«, die von Gottfredson & Hirschi (1990) vorgeschlagen wurde, und die beansprucht, alle Formen abweichenden Verhaltens zu allen Zeiten und bei allen Personen mittels eines einzigen, Personen als Eigenschaft zurechenbaren Merkmals namens Self-Control zu erklären. Die hier berichtete Studie unterzieht anhand fünf verschiedener empirischer Untersuchungen, die Frage nach dem Geltungsbereich der General Theory of Crime einer kritischen Analyse. Jede der Studien bezieht sich auf verschiedene Formen abweichenden Verhaltens und betrachtet Einflüsse von Self-Control auf die Häufigkeit abweichenden Verhaltens anhand von Stichproben aus unterschiedlichen Altersgruppen. Self-Control wird in allen empirischen Untersuchungen mit deutschsprachigen Versionen der Grasmick-Skala (Grasmick et al. 1993) gemessen. Es zeigt sich, dass Self-Control nicht eindimensional ist und dass die verschiedenen Aspekte von Self-Control in jeweils unterschiedlichem Maße abweichendes Verhalten beeinflussen. Die Einflüsse sind außerdem – gemessen in Anteilen erklärter Varianz - sehr schwach und nicht systematisch.
Schlagworte: Self-Control, Devianz, Grasmick-Skala, General Theory, Risikobereitschaft
S. 443-465
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Im Osten was Neues: Täter-Opfer-Ausgleich aus Sicht der Betreiligten
Ergebnisse einer Befragung von jugendlichen bzw. heranwachsenden Tätern und ihren Opfern
von Franziska Kunz
Zusammenfassung
Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) ist im Vergleich zu traditionellen, eher punitiven Sanktionen ein alternatives Element des deutschen (Jugend-)Strafrechts und zielt auf die Herstellung restitutiver Gerechtigkeit nach erfolgten Straftaten ab. Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit dieses außergerichtlichen Verfahrens zur Konfliktregelung stellt v.a. die subjektive Einschätzung des TOA durch die Beteiligten ein wesentliches Kriterium dar. Diese Thematik wurde für Deutschland bislang jedoch nur unzureichend und zudem überwiegend an TOA-Projekten in den alten Bundesländern erforscht. Deshalb wurden im Rahmen einer Diplomarbeit im Jahr 2006 in Zusammenarbeit mit drei sächsischen Schlichtungsstellen sowie der Jugendgerichtshilfe Dresden mittels standardisierter, postalischer Befragung die Wahrnehmungen und Bewertungen von Teilnehmern des TOA im Jugendbereich erhoben.
Insgesamt führen die Ergebnisse zu dem Schluss, dass der TOA prinzipiell ein geeignetes Instrument zur Konfliktregelung darstellt. So konnte zunächst festgestellt werden, dass Beschuldigte und Geschädigte mit dem erlebten Ausgleich sowie dem Verhalten des Vermittlers überwiegend zufrieden sind. Allerdings zeigen sich Schwächen in der Schlichtungspraxis: So wurde z.B. eine relativ hohe Unzufriedenheit der Geschädigten mit der getroffenen Wiedergutmachungsvereinbarung erkennbar. Die Beschuldigten bewerten einige Aspekte, u.a. die Einzelgespräche mit dem Vermittler sowie die Transparenz des TOA-Verfahrens, sehr kritisch. Um das Potenzial des TOA besser auszuschöpfen, besteht demnach v.a. täterbezogener Optimierungsbedarf.
Schlüsselwörter: Täter-Opfer-Ausgleich, Jugendstrafrecht, Geschädigte, Beschuldigte, Zufriedenheit, Befragung
S. 466-483
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Aktuarische Kriminalprognosemethoden und Sexualdelinquenz: Die deutsche Version des SORAG
von Martin Rettenberger und Reinhard Eher
Zusammenfassung
Die vorliegende Studie ist Teil eines prospektiv-längsschnittlichen Forschungsprojekts, dessen Gegenstand die Evaluierung unterschiedlicher Kriminalprognosemethoden bei Sexualstraftätern ist. Im vorliegenden Artikel wird die deutsche Adaption des Sexual Offender Risk Appraisal Guide (SORAG) und dessen Vorhersageleistung sexuell motivierter und gewalttätiger Rückfälle dargestellt. Dabei handelt es sich um ein speziell für Sexualstraftäter entwickeltes und erstmals 1998 in Kanada veröffentlichtes aktuarisches Prognoseinstrument. In der vorliegenden Untersuchung werden die Interraterreliabilität, sowie die konvergente und prädiktive Validität des Instruments dargestellt, die anhand von 178 in Österreich verurteilten und inhaftierten männlichen Sexualstraftätern erhoben wurden. Dabei erzielte die deutsche Version des SORAG zufriedenstellende Ergebnisse für die Interraterreliabilität und die konvergente Validität. Zur Überprüfung der prädiktiven Validität wurde neben der Gesamtgruppe auch die Vorhersageleistung bei verschiedenen Subgruppen von Sexualstraftätern untersucht. Zusammenfassend belegen die dabei erzielten Ergebnisse eine gute Vorhersageleistung des Instruments für das sexuell motivierte und gewalttätige Rückfallereignis.
Schlüsselwörter. SORAG, Kriminalprognose, Sexualstraftäter, Validität, Rückfälligkeit
S. 484-497
Bericht
42. Kriminologisches Kolloquium der Südwestdeutschen und Schweizerischen Kriminologischen Institute
von Horst Beisel, Dieter Dölling und Dieter Hermann
S. 498-501
Forum
Korruption: Theorie und russische Realität
von Yakov Gilinskij
Zusammenfassung
Der Beitrag legt einige Ergebnisse der langjährigen Forschungsarbeit des Autors über die Korruption in Russland vor. Korruption, organisierte Kriminalität, Rauschgiftkriminalität und Terrorismus sind komplizierte soziale Phänomene, um die sich zahlreiche Mythen sowie populistische und politische Intrigen ranken. Daher bedarf es einer objektiven Betrachtung. Die vorliegende Arbeit will den Begriff der Korruption und die Geschichte der Korruption in Russland rekonstruieren und die gegenwärtige Situation darstellen. Eine Zukunftsprognose schließt den Artikel ab.
Schlüsselwörter: Korruption, Geschichte der Korruption in Russland, Antikorruptionsmaßnahmen
S. 502-513
Mitteilungen
»It was 29 years ago & it's getting better all the time«
18th Conference of the European Association of Psychology and Law, 2-5 July 2008 in Maastricht
S. 514
Engagierte Bürger - sichere Gesellschaft
13. Deutscher Präventionstag, 2.-3. Juni 2008 in Leipzig
S. 514
Internet-Adressen
Buchbesprechungen
Bücking, Hans-Jörg/Kubera, Thomas
»Eine digitale Streifenfahrt ...«
Evaluation einer Videoüberwachung beim Polizeipräsidium Bielefeld
Verlag für Polizeiwissenschaften, Frankfurt a.M. 2004, 382 Seiten, € 29.-
S. 515-517
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Karliczek, Kari-Maria (Hrsg.)
Kriminologische Erkundungen
Wissenschaftliches Symposium aus Anlass des 65. Geburtstages von Klaus Sessar
Lit-Verlag, Münster 2004, 282 Seiten, € 29,90
S. 517-518
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Obergfell-Fuchs, Joachim/Brandenstein, Martin (Hrsg.)
Nationale und internationale Entwicklungen in der Kriminologie
Festschrift für Helmut Kury zum 65. Geburtstag
Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt a.M. 2006, 687 Seiten, € 39.-
S. 518-520
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Stelly, Wolfgang/Thomas Jürgen
Kriminalität im Lebenslauf
Eine Reanalyse der Tübinger-Jungtäter-Vergleichsuntersuchung (TJTVU)
Tübinger Schriften und Materialien zur Kriminologie, Band 10, 2005, 297 Seiten
(elektronische Version)
S. 520-521