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Heft 3/1998

Aus dem Inhalt


In memoriam Ernst Heinitz
von Ulrich Eisenberg, Berlin


Abhandlungen

Delinquenz im Rahmen pathologischen Glücksspiels

von Gerhard Meyer und Michael Stadler


Zusammenfassung
Ausgangspunkt der Untersuchung war die Fragestellung, ob delinquentes Verhalten im Rahmen pathologischen Glücksspiels durch das süchtige Spielverhalten bedingt ist. Um der Vielschichtigkeit des kriminologischen Geschehens und seiner Entstehung gerecht zu werden, wurden auf der Grundlage eines täterorientierten Mehrfaktorenansatzes weitere potentielle kriminogene Bedingungsfaktoren wie Persönlichkeits- und soziale Bindungsmerkmale in die Untersuchung einbezogen.
Die als standardisierte (Querschnitt-) Befragung konzipierte Datenerhebung erfolgte mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens (ergänzt durch Skalen aus psychometrischen Testverfahren) an einer Stichprobe von Spielern aus ambulanten/stationären Behandlungseinrichtungen und Selbsthilfegruppen (n = 300) sowie einer Stichprobe von Gelegenheits- und Häufigspielern aus der Bevölkerung und der Bundeswehr (n = 274). Multivariate statistische Datenanalysen (Diskriminanz-, Cluster- und Lisrel-Analyse) führen zu folgenden Ergebnissen:
Das süchtige Spielverhalten stellt einen bedeutsamen kriminogenen Faktor dar. Dieser Bedingungsfaktor reicht allein nicht aus, strafbare Handlungen im Rahmen pathologischen Glücksspiels zu erklären. Persönlichkeitsmerkmale nehmen ebenfalls direkt Einfluß auf die Delinquenzbelastung. Die soziale Bindung wirkt sich dagegen nur indirekt aus. Bei Eigentums- und Vermögensdelikten ist der direkte kausale Effekt des Suchtverhaltens größer als der der Persönlichkeit. Der Bedeutungsgehalt der aufgezeigten Risikofaktoren variiert in einzelnen identifizierbaren Subgruppen pathologischer Spieler.

***

Kindestötung: Zur Frage der Schuldfähigkeit nach "negierter" Schwangerschaft

von Andreas Marneros

Zusammenfassung:
Es wird eine differentielle Betrachtungsweise der Frage der Schuldfähigkeit bei Kindestötung nach "negierter" Schwangerschaft dargestellt. Jüngste Gerichtsentscheidungen werden kritisch beleuchtet. Die Differenzierung zwischen den verschiedenen Formen "negierter" Schwangerschaft und der Motivkonstellation bei Neonatizid wird anhand eines außergewöhnlichen Falles mit zwei Kindestötungen von der selben Mutter im Abstand von ca. 18 Monaten erläutert. Darüber hinaus wird die Verpflichtung der Sachverständigen dargestellt, nicht nur als "Arzt und Mensch" zu beurteilen, sondern auch als zu Gerechtigkeit und Rechtsgleichheit Beitragende.


Bericht

Zweites Deutsch-Chinesisches Kolloquium:
Kriminalität, Strafrechtsreform und Strafvollzug in Zeiten des sozialen Umbruchs
vom 6. bis 8.10.1997

von Jörg Kinzig


Diskussionen

Motive für Kindsmord im deutschen und kroatischen Strafrecht
von Velinka Grozdanic und Ute Karlavaris-Bremer

Zusammenfassung
Die Straftat Kindsmord wird unter dem Gesichtspunkt der Motive betrachtet, die dieses Delikt gegenüber dem Mord privilegieren. Bei einem komparativen Überblick über die Gesetzesregelungen verschiedener Länder ragen vor allem das Motiv der Ehrenrettung und das der seelischen Störung heraus. Als Beispiele für die Berücksichtigung jeweils eines dieser beiden Motive werden das deutsche und kroatische Strafrecht sowie 30 Fälle aus der diesbezüglichen Gerichtspraxis beider Staaten untersucht. Die Analyse zeigt die Unangemessenheit sowohl der einen als auch der anderen Gesetzesregelung, so daß als Schlußfolgerung ein Vorschlag de lege ferenda dargelegt wird.

***

Kriminalitätsfurcht und Alter:
Ergebnisse aus Ost- und Westdeutschland

von Helmut Kury und Joachim Obergfell-Fuchs

Einleitung:
Verbrechensfurcht ist in den letzten Jahren in den ehemaligen sozialistischen Ländern Europas zu einem der Hauptthemen in der Kriminologie, aufgrund der Presseberichterstattung zunehmend aber auch in der Öffentlichkeit geworden. Aus so gut wie allen Ländern des früheren Ostblocks wird einerseits eine mehr oder weniger dramatische Zunahme der Kriminalität berichtet, insbesondere aber ein erheblicher Anstieg der Verbrechensfurcht. Das gilt seit der Wende auch für Deutschland, vor allem für die Neuen Bundesländer (NBL) (vgl. Kury u.a. 1992; Kury 1995; 1997).  ...

***

Quo vadis? Europa ad Americam aut/et vice versa?
von Siegfried Haddenbrock

Drei kriminalanthropologische Anmerkungen zum Beitrag von Susanne Walther "Umgang mit Sexualstraftätern: Amerika, Quo vadis? - Vergewisserungen über aktuelle Grundfragen an das (deutsche) Strafrecht" in MschrKrim 80, 199-221 (1997)


Mitteilungen

Integration und Ausschließung: Kriminalpolitik und Kriminalität in Zeiten gesellschaftlicher Transformation
veranstaltet vom Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZIF) der Universität Bielefeld vom 29.-31. Oktober 1998.

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Aufbaustudium Kriminologie / Universität Hamburg
Im Sommersemester 1999 beginnt der nächste Durchgang des 4semestrigen Aufbaustudiums Kriminologie (Abschluß: "Diplom-Kriminologe/in").

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10. Internationaler Suchtkongreß

Das Symposium tagt zu diesem Jubiläum vom 24.-26. August 1998 in Zürich mit dem Thema:
"Suchtkonzepte und ihre Konsequenzen für Prävention und Behandlung"

Bestandteile dieser Veranstaltung sind: Suchtkonzepte aus der Sicht führender internationaler Suchtforscher, soziokulturelle Konzepte, Suchtbehandlung, genetische Disposition, Integration der Sichtweisen und Forschungsbedarf sowie Workshops zu drei Schwerpunkten.

***

Das 3. Tübinger forensisch-psychiatrische Gespräch

findet statt am Freitag, den 16. Oktober 1998 von 9.15 Uhr bis ca. 14.30 Uhr.
Das diesjährige Thema lautet:
"Die Borderline-Persönlichkeitsstörung aus forensisch-psychiatrischer Sicht".


Buchbesprechungen

Davies, Graham, Lloyd-Bostock, Sally, McMurran, Mary, Wilson, Clare (Eds.)
Psychology, Law, and Criminal Justice, International Developments in Research and Practice
Walter de Gruyter, Berlin, New York 1996, XX/606 S., 198,- DM

 

Schwinge, Christina
Strafrechtliche Sanktionen gegenüber Unternehmen im Bereich des Umweltstrafrechts
Centaurus Verlag, Pfaffenweiler, 1996, 299 S., 98,- DM

 

Geschwinde, Thomas
Rauschdrogen
Marktformen und Wirkungsweisen
3. Auflage. Springer-Verlag Berlin 1996, 718 Seiten. Brosch. DM 178,00

 

Kürzinger, Josef
Kriminologie
Eine Einführung in die Lehre vom Verbrechen
2. vollständig neu bearbeitete Auflage, Richard Boorberg Verlag, Stuttgart, 1996, 332 Seiten, DM 49,00

 


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