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Heft 6/1998

Aus dem Inhalt


Zum 70. Geburtstag von Prof. Dr. jur. Horst Schüler-Springorum

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In memoriam Karl Peters


Abhandlungen

Jugend und Gewalt

von Hans-Jörg Albrecht

Zusammenfassung
Gewalt und Jugend gehören seit langem zu den Schwerpunktfeldern kriminologischer Analyse. Die Thematisierung von "Jugend und Gewalt" hat in den neunziger Jahren zu einer Vielzahl empirischer Studien geführt, die sich neben der Analyse der polizeilichen sowie der Strafverfolgungsstatitistik der Methoden der Dunkelfeldforschung bedienen. Dabei findet die Befragung von Schulklassen zunehmend Verwendung. Im Vordergrund der Untersuchungsziele stehen Fragen nach Entwicklung und Ausmaß von Jugendgewalt. Freilich zeigt die Durchsicht der Studien, daß konsistente Befunde zur Jugendgewalt im Längsschnitt und im Querschnitt nicht vorliegen. Gerade im Vergleich der auf die Befragung von Schulklassen gestützten Forschungen ergeben sich aber - auch bei Verwendung ähnlicher Items und vergleichbarer Zeiträume - ganz erhebliche Differenzen im Ausmaß beobachteter "Gewalt" im Längsschnitt und im Querschnitt. Jedoch dürfte der Zugang zur Gewaltforschung über Schulklassen tendenziell zu inflationären Prozessen führen. Die Differenzen werden im übrigen in den Untersuchungen selbst kaum thematisiert. Dasselbe gilt im übrigen auch für Fragen und Probleme der Validität der Daten. In der Gesamtheit scheinen die Dunkelfeldforschungen sowie die anhand offizieller Kriminalitätsdaten durchgeführten Analysen bislang keine dramatischen Änderungen anzuzeigen. Vielmehr bewegen sich die Veränderungen offensichtlich in engen Bereichen, die einer tieferen inhaltlichen und weniger auf Inzidenz und Prävalenz konzentrierten Analyse zugeführt werden sollten.

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Reformbedarf des Jugendstrafrechts?
Jugendkriminalität und Jugendkriminalrechtspflege aus Sicht der Kriminologie

von Wolfgang Heinz

Zusammenfassung
Der Anstieg polizeilich registrierter Kriminalität junger Menschen wird in Öffentlichkeit und Medien zu Unrecht dramatisiert. Der Anstieg beruht überwiegend auf Kontroll- und Bagatelldelikten. Selbst die Zu-nahme der Gewaltkriminalität, die innerhalb der registrierten Kriminalität nur einen Bruchteil ausmacht, scheint darauf zu beruhen, daß immer häufiger minder schwere Fälle angezeigt werden.
In der derzeitigen kriminalpolitischen Diskussion wird Jugendkriminalität zu Unrecht in den Mittelpunkt gestellt. Hierdurch wird von schwerwiegenderen, überwiegend von Erwachsenen ausgehenden Gefährdungen abgelenkt und davon, daß Kinder und Jugendliche häufiger Opfer als Täter sind. Unverändert gültig sind im übrigen die jugendkriminologischen Einsichten, für die die Stichworte von Normalität, Episodenhaftigkeit, Bagatellhaftigkeit und Spontanbewährung stehen. Von daher besteht kein Anlaß für eine Verschärfung des Jugendstrafrechts oder für eine Kehrtwende der Jugendkriminalpolitik. Eine derartige Kehrtwende wäre im übrigen kontraproduktiv. Notwendig ist indes eine andere Kehrtwende, nämlich hin zu mehr Prävention.

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Zur kulturellen Konstruktion der Gewalt
Acht vorläufige Thesen

von Stephan Quensel

Die "Gewalt" hat es heute schwer. Allzu rasch neigen wir als Bürger und Kriminologen dazu, nahezu selbstverständlich "Gewalt" abzulehnen, "Gewalt" zu verhindern, vorzubeugen oder zu bekämpfen.
Wenn wir in diesem üblichen defizienten Modus von "Gewalt" reden, dann geht es - ganz ohne Frage - stets im Kern um die (1) "rohe", unkontrollierte, physische Aggression, die wir (2) als üble, böse und illegale Handlung verstehen, die (3) andere gegen uns oder unsere Schützlinge ausüben, wobei (4) diese rohe Gewalt von ebenso rohen, gewalttätigen, aggressiven Tätern ausgeht, die (5) zumeist aus den primitiveren sozialen Randgruppen - untere soziale Schicht, Ausländer, Alkoholiker etc. - stammen.
Ein Kernstereotyp, das schließlich (6) dazu dient, alle anderen Formen gewaltsamen Handelns entweder auszublenden oder aber entsprechend einzufärben - wie etwa die "Drohung mit Gewalt", "Gewaltbereitschaft" oder "psychische Gewalt" -, solange dies nur als "illegales Tun der anderen" definiert werden kann - bis hin zur Schulhofprügelei oder zum demonstrativen Sitzen vor Raketen-Silos.
Müssen wir uns solchen Stereotypien beugen oder können wir versuchen, uns ein wenig davon freizumachen, die Grenzen des üblichen Gewalt-Diskurses ein wenig zu erweitern? Wozu sollte das gut sein, wem könnte es nützen, und wo könnte man Mitstreiter finden?
Einige von uns haben solche Versuche schon früher etwa bei der Einschätzung der Jugend-Delinquenz unternommen: "Delinquenz ist normal, Nicht-Delinquenz eher neurotisch". Auch die rezente Gegenüberstellung von Akzeptanz- und überholtem Abstinenz-Paradigma im Drogen-Bereich böte hierfür vielleicht einen Denk-Rahmen. Beide Versuche wollten auf Seiten der Betroffenen für eine bessere, eine andere "Politik" kämpfen, Diversion erreichen, Entkriminalisierung und soziale Angebote an die Stelle von Strafe und Repression setzen. Doch "Gewalt", so ruft heute selbst die verunsicherte Linke, verlangt den Staatsanwalt, den kurzen scharfen Schock, die Abschiebung ins fremde "Heimatland".
Und dennoch könnte sich der Versuch lohnen, auch dieses Gedankengefängnis ein wenig zu "lockern", um - im besseren Verständnis solcher "Gewalt" - einer zunehmenden Gewalt-Spirale, die heute durch unsere Ängste wieder vorangetrieben wird, die Dynamik zu nehmen.

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Über Kriminalität als Gegenstand öffentlicher Debatten

von Michael Walter

Zusammenfassung
Von Berichten über einzelne Straftaten können öffentliche Debatten unterschieden werden, in denen größere kriminelle Entwicklungen, insbesondere Kriminalitätsanstiege, und die Kriminalpolitik im Mittelpunkt stehen. Sie führen mit ihrem Kriminalitätsverständnis gegenüber der empirisch faßbaren Realität ein Eigenleben und bilden eine spezifische Erscheinungsform von Kriminalität, die beschrieben und analysiert werden muß. Der Beitrag versucht, wesentliche Merkmale und Züge dieser Kriminalitätsinszenierungen zu skizzieren und die hinter ihnen stehenden Interessen zu beleuchten. Für den kriminalpolitisch engagierten Kriminologen entsteht die Schwierigkeit, einerseits den besonderen Herstellungszusammenhang der "öffentlichen Kriminalität" zu benennen, insoweit also eine Metaebene einzunehmen, sich andererseits aber nicht aus den betreffenden Auseinandersetzungen zurückzuziehen, sondern in ihnen selbst Stellung zu beziehen.


Bericht

Kriminalität im Grenzgebiet II
Internationales Symposium in Frankfurt (Oder) vom 28. bis 30. November 1997

von Sabine Lang und Kathrin Möller


Mitteilungen

2nd East-West Conference on "Child Sexual Abuse and Sexual Violence & Post-traumatic Stress Syndrome"
21. bis 24. April 1999, Prag, Tschechische Republik

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"Forensic Psychotherapy and the Public Sphere"
8th Annual Meeting of the International Association for Forensic Psychotherapy
7. bis 9. Mai 1999, Sheffield, USA

organised by the Forensic Psychiatry Section and the Centre for Psychotherapeutic Studies, University of Sheffield, in association with Rampton Hospital and Rotherham Priority NHS Trust

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"Behandlungsstrategien in der Forensischen Psychiatrie - Erfahrungen, Entwicklungstendenzen, Perspektiven"
14. Eickelborner Fachtagung zu Fragen der Forensischen Psychiatrie
3. bis 5. März 1999, Westfälisches Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt, Lippstadt

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Psychiatrie Akademie
Die Psychiatrische Akademie, Fort- und Weiterbildungsstätte am Niedersächsischen Landeskrankenhaus Königslutter, veranstaltet folgende Seminare:

19. bis 21. Februar 1999
Aussagepsychologisches Gutachten, Teil 1

22. bis 26. Februar 1999
Die psychiatrisch-psychologische Begutachtung im Strafverfahren, Teil

12. bis 13. März 1999
Therapeutische Behandlung von Sexualstraftätern


Buchbesprechungen

Gesine Foljanty-Jost, Dieter Rössner (Hrsg.):
Gewalt unter Jugendlichen in Deutschland und Japan.
Ursachen und Bekämpfung.
Baden-Baden: Nomos-Verl.-Ges., 1997, DM 58,-.

Ciro Krauthausen
Moderne Gewalten
Organisierte Kriminalität in Kolumbien und Italien
Campus Verlag, Frankfurt 1997, DM 48,-

 


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