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84. Jahrgang Heft 1 / 2001

 

Aus dem Inhalt

 Abhandlungen

Intendierte und nicht intendierte Folgen des Hamburger Substitutionsprogramms
Eine empirische Untersuchung zur Beschaffungsdelinquenz polizeibekannter Drogenkonsumenten und -konsumentinnen im Substitutionsprogramm

von Michael Bathsteen und Ingeborg Legge

Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung, die sich als empirischer Beitrag zur schadensbegrenzenden Drogen­po­litik (»harm reduction«) versteht, bestätigt in weiten Teilen die theoretisch bekannten Wirkungs­zu­sam­menhänge zwischen der Vergabe von Methadon und der Entwicklung der Beschaffungs­delin­quenz auf der Individualebene. Allerdings ergaben sich für Hamburg auch einige nicht intendierte Folgen des Substitutionsprogramms – ausgelöst durch die zurückgehende Nachfrage nach Heroin.

S. 1-9

* * *

Bindungsrepräsentationen von Frauen, die getötet haben
Ergebnisse der Untersuchung »Trauma, Beziehung und Tat«

von Franziska Lamott und Friedemann Pfäfflin

Zusammenfassung
Aus einem von der DFG geförderten Forschungsprojekt über die Zusammenhänge zwischen tödli­chen Beziehungstaten von Frauen, früher Traumatisierung und spezifischen Bindungsrepräsentatio­nen liegen nun die Ergebnisse vor[1]: Den Gewalttätigkeiten der Frauen gingen Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit voraus; sie alle waren schwer traumatisiert. Während die Frauen, die wegen Tötungs­delikten im Strafvollzug einsaßen, meist körperliche Misshandlung und sexuellen Missbrauch erlitten hatten, waren die Probandinnen des Maßregelvollzugs durch den Tod wichtiger Bezugspersonen oder durch depressive und suizidale Mütter traumatisiert. Dementsprechend unterschieden sich die Bin­dungsrepräsentationen der Frauen im Strafvollzug von denen im Maßregelvollzug: Im Strafvollzug wurden 58 % und im Maßregelvollzug 85 % als »unsicher« eingestuft. Die meisten der Frauen hatten ihr Trauma im Sinne der Bindungstheorie nicht verarbeitet (Strafvollzug: U/CC 58 %; Maßregelvoll­zug: U/CC 50 %). Die Probandinnen im Maßregelvollzug zeigten jedoch weitaus häufiger »frag­mentierte« Bindungsrepräsentationen (CC= 36 %) als jene im Strafvollzug (16 %). Das heißt, dass sich die beiden Gruppen im Hinblick auf ihre Bindungsrepräsentationen deutlich unterscheiden.

S. 10-24

* * *

 

Bedeutung von Dunkelfelddelikten für episodische und fortgesetzte Delinquenz
von Martin H. Schmidt, Barbara Lay, Wolfgang Ihle und Günter Esser

Zusammenfassung
Ausmaß, Struktur und Entwicklung der Delinquenzbelastung Jugendlicher lassen sich auf der Basis offizieller Strafverfolgungsstatistiken nur unzureichend beurteilen. Im Rahmen einer prospektiven Längsschnittstudie (n = 321; Alter 8-25 Jahre) wurde zunächst untersucht, welchen Überschneidungsbereich Hellfeld- und Dunkelfelddelikte im Jugendlichen- und jungen Erwachsenenalter zeigen und welche Bedeutung Dunkelfelddelikten in Bezug auf die Prognose der weiteren Delinquenzentwicklung (episodisch/fortgesetzt) zukommt.
Die Ergebnisse beleuchten das Ausmaß der Delinquenzbelastung in unterschiedlichen Dunkelfeldern im Alter von 18 und 25 Jahren, und lassen eine häufigere polytrope Straffälligkeit bei gerichtlich bestraften Delinquenten, verglichen mit Jugendlichen ohne reigistrierte Straftaten, erkennen.
Insgesamt zeigen bei längsschnittlicher Betrachtung nur wenige Probanden fortgesetzt bis ins junge Erwachsenenalter delinquentes Verhalten. Allerdings lassen die Ergebnisse, je nachdem ob die Delinquenzentwicklung auf der Basis von Hellfelddelikten oder unter Berücksichtigung von Dunkelfelddelkikten betrachtet wird, auf unterschiedliche »Ausstiegs«-Wahrscheinlichkeiten schließen: Legt man die Angaben selbstberichteter Delinquenz zugrunde, so ergibt sich ein deutlich höheres Risiko fortgesetzter Delinquenz, als dies auf der Basis von Hellfelddelikten zu erwarten wäre, während episodische, auf das Jugendalter beschränkte Delinquenzverläufe bei Berücksichtigung von Dunkelfelddelikten deutlich weniger häufig vorkommen.

S. 25-36




Bericht

36. Kolloquium der Südwestdeutschen und Schweizerischen Kriminologischen Institute und Lehrstühle


von Tilman Köllisch und Thomas Naplava

S. 37-47


Diskussionen

20 Thesen zur Kriminalpolitik – Eine Replik

von Roland Hefendehl und Olaf Hohmann 

S. 48-66

* * *

 

Kriminalgeographie und Furcht in ostdeutschen Städten
oder von der Notwendigkeit, auf schnelle Veränderungen forschungstechnisch zu reagieren oder diese zu ignorieren


von Michael Jasch und Roland Hefendehl

S. 67-81

Mitteilungen

Die Gleichberechtigung der Frau in einer sich wandelnden Gesellschaft – Chancen und Risiken
XXX. Symposion vom 31. März bis 1. April 2001 in Abtei Maria Laach

S. 82

Suchthilfe zwischen Psychotherapie und Safer Use
6. Suchttherapietage 5. bis 8. Juni 2001 in Hamburg

S. 82

Zwischen Anomie und Inszenierung – Interpretationen der Kriminalitätsentwicklung
Tagung des Zentrums für interdisziplinäre Forschung vom 15. bis 17. März 2001 in Bielefeld

S. 83




Buchbesprechungen

Friedl, Wolfgang J.
Rechenzentrums-Sicher­heit
Sicherheitstechnische Beurteilung, Maß­nahmen gegen Gefährdungen
Berlin u. a. 1998, VI, 283 Seiten, DM 148,–

S. 84-85

Marquardt, Claudia/Lossen, Jutta
Sexuell miß­brauchte Kinder im Gerichtsverfahren
Ju­ri­stische Möglichkeiten zum Schutz sexuell mißbrauchter Kinder in Gerichtsverfahren
VOTUM Verlag GmbH, Münster 1999, 308 Seiten, DM 32,80

S. 86-88

Schwegler, Karin
Dauerarrest als Erziehungs­mittel für junge Straftäter
Eine empirische Untersuchung über den Dauerarrest in der Jugendarrestanstalt Nürnberg vom 10. Fe­bru­ar 1997 bis 28. Mai 1997
Wilhelm Fink Verlag, München 1999, 354 Seiten, DM 98,–

S. 88-90



 

 

 


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