86. Jahrgang Heft 3 / 2003
Aus dem Inhalt
Abhandlungen
Forensische Psychophysiologie ("Lügendetektion")
Ein Plädoyer für Tatwissentest
von Hans-Georg Rill, Heinz Werner Göder und Gerhard Vossel
Zusammenfassung
Der Tatwissentest (TWT) ist ein psychologisch gut fundiertes Verfahren der forensischen Psychophysiologie (»Lügendetektion«), das jedoch in der rechtswissenschaftlichen Fachöffentlichkeit weitgehend vernachlässigt wird. Dieser Beitrag fasst die deutsche Rechtsprechung zur psychophysiologischen Aussagebegutachtung zusammen und gibt einen Überblick über die Methodik und Evaluation des TWT aus psychologischer Sicht. Darüber hinaus werden Einsatzmöglichkeiten speziell im Ermittlungsverfahren anhand der konkreten Anwendung des TWT in Japan diskutiert. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass der TWT unter bestimmten, durchaus praktikablen Randbedingungen ein effizientes kriminalistisches und forensisches Hilfsmittel zur Glaubhaftigkeitsbeurteilung bzw. Feststellung von Tatwissen darstellt.
S. 165 - 180
Diskussionen
Selbst- und Fremdeinschätzung interpersonaler Probleme von paraphilen und impulskontrollgestörten Sexualstraftätern
Ein Beitrag zur dimensionalen Persönlichkeitsdiagnostik und zur Überprüfung der Testgütekriterien der CIRCLE (Blackburn & Renwick 1996)
von Bernd Borchard, Annika Gnoth, Heike Kunst und Wolfgang Schulz
Zusammenfassung
Die intramurale Behandlung von Sexualstraftätern erfordert eine möglichst systematische und zuverlässige Einschätzung der interpersonalen Probleme dieser Delinquenten. Verfahren zur Selbsteinschätzung sollten dabei mindestens ergänzt werden durch standardisierte, ökonomische und empirisch überprüfte Fremdeinschätzungsverfahren.
Die zu diesem Zweck von Blackburn & Renwick (1996) entwickelte Chart of Interpersonal Reactions in Closed Living Environments (CIRCLE) zeigte in einer ersten deutschsprachigen Untersuchung heterogene psychometrische Werte.
Mit der vorliegenden Arbeit werden die überwiegend positiven Ergebnisse einer Überprüfung der Testgütekriterien der CIRCLE an einer psychodiagnostisch gut definierten Gruppe von Sexualstraftätern (N = 74) aus dem Maßregelvollzug und einer sozialtherapeutischen Anstalt dargestellt. Die CIRCLE scheint im forensischen Kontext ein geeignetes Verfahren für Behandlungsplanung, Behandlungsevaluation und Prognose zu sein.
S. 181 - 194
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Strafverfolgung und Sanktionierung bei deutschen und ausländischen Jugendlichen und Heranwachsenden
Eine Untersuchung am Beispiel des Einbruchsdiebstahls
von Jörg Dittmann und Beate Wernitznig
Zusammenfassung
Die Untersuchung geht der Frage nach, ob junge ausländische Beschuldigte durch Staatsanwaltschaften und Gerichte im Vergleich zu deutschen Beschuldigten tendenziell ungleich behandelt werden. Geprüft wird die Hypothese an Ermittlungsakten von vier bayerischen Staatsanwaltschaften (Augsburg, München, Nürnberg und Würzburg) zu 203 ausschließlich wegen Wohnungseinbruchs nach § 243 I Nr. 1 StGB a.F. beschuldigten männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden. Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass bei den untersuchten Verfahren der Verfahrensausgang nicht auf das Merkmal »Staatsangehörigkeit« zurückzuführen ist. Ferner gibt es kaum Anzeichen dafür, dass Determinanten der Verfahrenserledigung zwischen den Gruppen der deutschen und ausländischen Beschuldigten unterschiedlich verteilt sind.
S. 195 - 205
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Psychopathie und Persönlichkeitsstörungen
Beziehungen der »Psychopathie-Checkliste« nach Hare zu der Klassifikation der DSM-IV bei Gewaltstraftätern
von Christian Huchzermeier, Nils Goth, Denis Köhler, Günther Hinrichs und Josef Aldenhoff
Zusammenfassung
34 inhaftierte Gewaltstraftäter wurden mit zwei verschiedenen strukturierten Interviews untersucht, nämlich mit der Psychopathie-Checkliste (PCL-SV) nach Hare und dem SKID-II für DSM-IV. Die Anzahl der Persönlichkeitsstörungen nach DSM-IV war außerordentlich hoch (mehr als 90 % der Probanden wiesen mindestens eine Persönlichkeitsstörung auf). 21 % der Probanden in der Stichprobe wurden der Gruppe der »high-scorer« gemäß den Kautelen der PCL-SV zugewiesen, 47 % wurden als »moderate-scorer« diagnostiziert. Ein Vergleich beider Untersuchungsinstrumente ergab eine negative Korrelation zwischen dem Summenscore des PCL-SV mit dem Cluster C nach DSM-IV, aber eine positive Korrelation zwischen PCL-Score und dem DSM-IV Cluster B. Es lagen hochpositive Korrelationen zwischen PCL-Score und der antisozialen Persönlichkeitsstörung (Total-, Factor 1- und Factor 2-Scores) sowie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung (Total- und Factor 1-Scores) vor, während sich keine Korrelationen zwischen PCL-Score und der Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen ließen. Die Studienergebnisse unterstützen damit das Konzept, dass die Psychopathie einem speziellen Subtyp der antisozialen Persönlichkeitsstörung entspricht.
S. 206 - 215
Tagungsberichte
Die Zukunft der elektronischen Überwachung in Europa
Workshop »Will Electronic Monitoring Have a Future in Europe«?
vom 13. bis 15. Juni 2002 in Freiburg i.Br.
von Rita Haverkamp und Markus Mayer
S. 216 - 220
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Ist das deutsche Jugendstrafrecht noch zeitgemäß?
64. Deutscher Juristentag, Strafrechtliche Abteilung
von Verena Sabaß
S. 221 - 224
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Die Europäische Gesellschaft für Kriminologie
(European Society of Criminology)
Ihre beiden ersten Jahrestagungen in Lausanne (2001) und Toledo (2002)
Bericht und Kommentar
von Hans Joachim Schneider
S. 225 - 231
Mitteilungen
Die neue Straflust
Symposium des Arbeitskreises junger KriminologInnen (AJK)
S. 232
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Tagung zum zehnjährigen Bestehen der forensischen Suchtstation 51 im Zentrum für Psychiatrie Reichenau (ZPR)
S. 232
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Angewandte Kriminologie zwischen Freiheit und Sicherheit
Wissenschaftliche Fachtagung der Neune Kriminologischen Gesellschaft (NKG) und
18. Münchner Herbsttagung für Forensische Psychiatrie der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Forensischen Psychiatrie (AGFP)
S. 233
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Heil und Unheil für die Seele
21. Psychiatrietage Königslutter 2003
S. 233
Buchbesprechungen
Garland, David
The Culture of Control. Crime and Social Order in Contemporary Society
Oxford University Press 2001, XIII, 307 Seiten, £ 19.99
S. 234 - 140
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Kunz, Karl-Ludwig
Kriminologie, 3. Auflage
Verlag Paul Haupt, Bern, Stuttgart, Wien 2001, 460 Seiten, € 21,90
S. 240 -245