 Mit seinem 1991 gestifteten Menschenrechtspreis will der Deutsche Richterbund einen Beitrag zur Durchsetzung der allgemeinen Menschenrechte und Grundfreiheiten leisten. Die Auszeichnung wird jeweils einem Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt zugesprochen, der sich in besonderer Weise um die Verwirklichung der Menschenrechte verdient gemacht hat. Die internationale Aufmerksamkeit an der Verleihung des Menschenrechtspreises dient nicht zuletzt auch dem Schutz der Preisträger im eigenen Land. Celvin Galindo wurde am 24. 12. 1957 in Guatemala-Stadt geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der National Universität San Carlos in Guatemala war er als Anwalt der Internationalen Organisation »Feed the children«, beim Sozialversicherungsinstitut von Guatemala und als Lehrbeauftragter an Universitäten tätig. Nachdem 1995 eine Reform des Strafrechts in Guatemala durchgeführt wurde, die die deutsche Strafprozessordnung zum Vorbild hatte, entschloss sich Celvin Galindo, Staatsanwalt zu werden. In dieser Eigenschaft bearbeitete er von Anfang an Fälle von Menschenrechtsverletzungen, die von staatlichen Organen begangen worden waren. Dabei hatte er mit vielfältigen Widerständen zu rechnen. Allerdings gab es zunächst einen so starken internationalen Druck, dass wenigsten die Bestrafung einiger der Verantwortlichen erreicht werden konnte. Im Jahre 1999 übertrug man Galindo die Ermittlungen im Mordfall des Bischofs Juan Gerarde Conedra. Weihbischof Gerarde war am 26. April 1998 in seinem Haus erschlagen worden, zwei Tage nachdem er als Direktor des Menschenrechtsbüros des Erzbistums den Bericht über die Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkrieges der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Im September 1999 war die Untersuchung abgeschlossen. Celvin Galindo kannte die Namen der Urheber und Täter des Mordes an Bischof Gerarde. Er hatte in umfassenden Ermittlungen – u.a. waren DNS-Proben in einem Labor des FBI in den USA untersucht worden – Beweise zusammengetragen, die die These eines politisch motivierten Mordes erhärteten und eigentlich zu Verhaftungen und einer Anklage hätten führen müssen. Doch je enger sich die Schlinge um Persönlichkeiten aus Militär und Geheimdienst zog, desto weniger Unterstützung erhielt Celvin Galindo vom Generalstaatsanwalt, desto stärker wurde er beschattet, eingeschüchtert und bedroht. Auch die UNO-Mission in Guatemala erkannte, dass die Morddrohungen absolut ernst zu nehmen waren, und vermittelte Celvin Galindo das Exil in Deutschland. Am 7. Oktober 1999 verließ die Familie Galindo Guatemala. In Deutschland war Celvin Galindo wissenschaftlich tätig und erhielt ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Zurzeit lebt Celvin Galindo in Barcelona. Der Menschenrechtspreis des DRB wird in diesem Jahre zum sechsten Mal verliehen. Er soll im Rahmen einer Feierstunde am 5. November 2001, 11.00 Uhr im Plenarsaal des Kammergerichts in Berlin Herrn Galindo übergeben werden. Alle Kolleginnen und Kollegen sind herzlich eingeladen hieran teilzunehmen. Die Festansprache wird die Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfen des Deutschen Bundestages, Frau Christa Nickels, halten. |